Brisbane 2008
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Australien:

Australien, das ist doch am anderen Ende der Welt, richtig? Ziemlich groß und sogar ein eigener Kontinent? Jaja, mit so was kann ich wohl niemand mehr beeindrucken. Australien ist ja als Fernreiseziel en vogue und Traum aller Fernwehleidenden. Australien ist der kleinste Kontinent (wenn man die Antarktis mal als Kontinent raus nimmt), aber mit 7,7 Mio. km² das sechstgrößte Land der Erde. Einzig Australien ist dabei ein Land und ein Kontinent in einem. Allein Queensland, der Sunshine State im Norden ist über 1,7 Mio. km² groß, Deutschland würde hier fünfmal hineinpassen. Der Australische Kontinent ist in etwa mit den Ausmaßen Europas vergleichbar. Wenn man also von Sydney im Süden nach Cairns in den hohen Norden fliegen (fahren ist fast schon aussichtslos) möchte, wäre das mit einer Reise von Rom nach Oslo vergleichbar. In etwa… Zu Australien gehören neben dem Festland auch noch die Insel Tasmanien und ein paar kleine Erwerbungen im Pazifischen und Indischen Ozean. Zudem gehören über 12 Mio. km² Ozean zu australischen Hoheitsgebiet, die drittgrößten nach Großbritannien und Frankreich. Das liegt daran, das Roald Amundsen als erster am Südpol war und mit ihm ein Australier (dessen Name ich hier leider vergessen habe, der hier aber sehr verehrt wird), der Australien um die Antarktis herum die Hoheitsgewässer sicherte. Nachbarn hat Australien eigentlich keine (obwohl dies immer in der Fernsehsendung „Border Security“ suggeriert wird und sämtliche „Fremde“ ihnen die Grenzen einrennen). Indonesien, Ost-Timor und Papua-Neuguinea (kurz: PNG) grenzen im Norden an Australien und Neuseeland im Osten. Dabei tritt Australien auch gerne mal regionale Hegemonialmacht auf und verteidigt das kleine Eiland Ost-Timor gegen die bösen Indonesier oder schlichtet in glorreichen Schlachten die Militärputsche auf den Südseeinseln Fidschi (2002)und Tonga (2004). Dank dem föderalen Prinzip ist die kleine und eher unbedeutende Stadt Canberra die Hauptstadt Australiens und nicht etwa Sydney. Australier nehmen Canberra gar nicht richtig ernst, weil sie im Landesinneren liegt und als „richtige“ Aussie-Stadt nicht über einen oder mehrere Strand(e) verfügt. Canberra ist vom Reisbrett entworfen und Ergebnis eines Streites zwischen Sydney und Melbourne aus dem Jahre 1901, wer den die Hauptstadt von Australien sein dürfe. Hierfür ist extra der Regierungsbezirk Canberra geschafften worden, der siebte Bundesstaat neben Queensland, New South Wales, Victoria, South Australia, Northern Territory und Western Australia. Die Bundesstaaten teilen sich die ca. 22 Mio. Australier, die aber vor allem im Südosten und in den großen Städten leben. Australien ist mit fast 95% das urbanisierteste Land der Welt, allein auf die vier Großstädte Sydney, Melbourne, Brisbane und Perth entfällt die Hälfte der Bevölkerung. Tja und zum Schluss das Wetter. Natürlich ist das Wetter hier besser als in Europa. Das liegt zum einen an der Nähe zum Äquator (Cairns liegt in der Höhe von Zentralafrika und auch Brisbane ist auf dem 27. Breitengrad vergleichbar mit Ägypten oder Marokko. Noch im Spätherbst können Temperaturen von über 25 Grad erreicht werden, dafür ist es nachts doch kalt (10-15 Grad). Und vom Sommer brauch ich gar nicht zu erzählen. Der geht in der Regel über 5-6 Monate mit regelmäßigen Hitzeperioden über 30 Grad. Dadurch, dass die Luft aber sehr trocken ist und genug Schatten vorhanden ist (in Parks unter Bäumen etc.) lässt sich es sich aber sehr gut aushalten. Die ganze Sonne macht einfach gute Laune…

 

 

Geschichte:

Australien, woher kommt der Name eigentlich? Die Benennung hat im Prinzip mit der Entdeckung des „terra incognita“ zu tun. Schon lange bevor die ersten europäischen Seefahrer über Asien hier herkamen, rankten sich Gerüchte um einen mythischen Kontinent im Süden, dem „terra australis incognita“ (lat. Australis – Süden). In den Schriften von Marco Polo haben die damaligen Seefahrer verdeckte Hinweise zu Australien gelesen. Auch die Chinesen in ihrer Zeit als Seefahrer unter Zheng He im 15. Jahrhundert könnten schon die nördliche Küste Australiens erreicht haben. Bewiesen ist nichts, die Vermutung eines neuen Kontinents bestärkte die europäischen Seefahrernationen jedoch, nachdrücklicher zu suchen. 1521 waren die ersten Europäer im Pazifik die Spanier, von denen Pedro Fernández de Quirós nah an ein großes Land segelte, das er “Austrailia del Espiritu Santo” nannte, zu Ehren der Habsburger, die zu dieser Zeit das Spanische Reich regierten (Austria – Australia?). Der erste Europäer, der Australien entlang Cape York erforschte und erfasste, war der Holländer Willem Janszoon im Jahre 1606 gefolgt von weiteren holländischen Expeditionen (z.B. Abel Tasman, nach dem Tasmanien benannt worden ist). Der Norden und Westen Australiens wurde als Neu-Holland eine Kolonie der Niederlande. Ist aber nicht lange so geblieben, sonst würde ich hier ja holländisch sprechen und statt Burger mehr Käse essen. 1770 segelte schließlich James Cook entlang der gesamten Ostküste Australiens und gründete die Kolonie New South Wales, die er für England beanspruchte. James Cook ist hier sehr bekannt, z.B die Städte Cooktown oder Town of 1770 (wo die Endever mit Cook erstmals Australien erreichte) erinnern an den englischen Seefahrer. Auch Moreton Bay, die große Küste mit den Inseln Moreton Island und Stradtbroke Island sind von Cook benannt worden. John Oxley und Matthew Flinders waren schließlich 1805 und 1829 diejenigen, die die Bucht und den Brisbane River, wo heute Brisbane liegt, systematisch erforschten. Viele Straßen oder Parks sind hier nach ihnen benannt worden, etwa der Oxley Creek, den wir gerne zum Vogelbeobachten nutzen. Aus der großen Kolonie New South Wales wurden nach und nach neue Kolonien wie South Australia 1836, Victoria 1851, Queensland 1859 und das Northern Territory im Jahr 1911. Die Holländer hatten nicht mehr viel zu melden und so wurde Australien offizielle Kolonie Großbritanniens im Jahr 1901. Zu der Zeit sind die Aboriginees als indigene Einwohner schon fast erfolgreich ausgerottet worden. Von 350,000 bis vielleicht 1,000,000 Einwohnern zur Zeit der ersten Europäer in Australien schmolz ihre Zahl auf unter 30,000. Schien fast noch einfacher gewesen zu sein, als die Ausrottung der Indianer in Nordamerika. Genauere Gründe kenne ich leider nicht. Als Teil des britischen Commonwealth war Australien auch immer begeistert in Kriegen dabei, so mit Söldnern in Kolonialkriegen in Indien oder Afrika, aber auch verheerenderweise im ersten Weltkrieg. Winston Churchill, der spätere Primeminister Großbritanniens und Gegenspieler Hitlers schickte als Marinebefehlshaber mehrere tausend australische Soldaten auf die türkische Insel Galopoli, um die Festung einzunehmen. Ein aussichtsloses Unterfangen, das fast alle 13.000 Soldaten in den folgenden Wochen mit dem Tod bezahlten. Ein Schock für das junge Land. Eigentlich ist diese „kleine“ Zahl unwichtig für den Krieg und dessen Ausgang gewesen und viele Europäische Länder hatten mehr Opfer zu beklagen, dennoch wird seitdem in Australien der ANZAC Day begangen, um in großen Zeremonien den gefallenen Soldaten zu gedenken.  Dafür schlug sich Queensland wacker und eroberte 1917 die deutsche Kolonie Papua Neu-Guinea gegen ein paar abgestellte Soldaten des Deutschen Kaiserreichs und ein paar eingeborene Kannibalen. Es gab also schon einmal Krieg zwischen Deutschland und Australien! Aus dem Fehler des ersten Weltkrieges hat Australien nicht gelernt und auch fleißig im Zweien Weltkrieg mitgewirkt. Daher wird der ANZAC Day jetzt für alle australische Tote in Kriegen begangen. Und durch die Afghanistan- und Irak-Einsätze könnte sich die Zahl der Opfer leider immer noch erhöhen.

 

 

Politik:

In Australien scheint alles von selbst zu laufen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 4,4%, also quasi bei Vollbeschäftigung. Ich habe bislang auch kaum einen Australier bettelnd in der Stadt gesehen. Die Wirtschaft springt von einem Rekord zum nächsten und brummt wie seit 50 Jahren nicht mehr. Den Chinesen sei dank, die von Kohle bis Diamanten fast alle Rohstoffe Australiens aufkaufen. Wir haben dies leidhaft erfahren müssen, weil die kilometerlangen Güterzüge aus dem Inland Australiens, dem Outback, mit Tonnen von Rohstoffen hinter unserem Haus Richtung Hafen und Übersee fahren und nachts viel Lärm erzeugen. Aber wer steckt hinter diesem Erfolg. Die Politik? Wer ist das eigentlich in Australien? Die Queen von England? Nicht ganz falsch. De facto ist Australiens Oberhaupt immer noch Elisabeth II, obwohl sie sich hier nicht so oft blicken lässt. Australien ist nämlich immer noch eine konstitutionelle Monarchie mit einem parlamentarischen System. Das Parlament in Canberra hat dennoch das Sagen im Land. Der Primeminister ist dabei die Vertretung der Queen und hat so ziemlich alle Befugnisse und tritt als offizieller Vertreter seines Landes auf. Aktuell ist Kevin Rudd Prime Minister Australiens und löste damit 2007 eine lange Regierungszeit von John Howard ab, der als ziemlich konservativ galt und am Ende auch nicht mehr sonderlich beliebt unter den Australiern war. Kevin Rudd stellt dabei eine neue Generation Politiker in Australien dar, eine charismatische Figur ähnlich wie Tony Blair oder Gerhard Schröder. Mir persönlich gefällt seine angenehme, freundliche und zurückhaltende Art aber deutlich besser. Und das nicht nur weil er blond ist und aus Brisbane kommt. Rudd hat auch International Relations studiert, teilweise an der University of Queensland, bevor er in den diplomatischen Dienst ging. Was alle Australier aus dem Häuschen bringt, ist die Fähigkeit, dass ihr neuer Primeminister perfekt Chinesisch spricht und damit gern gesehener Gast in Peking ist. Kommt ja wieder der wirtschaftlichen Lage Australiens zu Gute. Als Kevin Rudd noch Gouvernour Queenslands war, lebte er auch in Brisbane und zwar … in Dutton Park! Also jener kleine Stadtteil, direkt gegenüber der Uni, in dem auch ich wohne. Tatsächlich muss seine Familie immer noch in der Nähe wohnen, weil Canberra nun mal nicht so schön zum Leben ist. Es könnte eine Straße weiter sein, wie wohnen als fast Tür an Tür mit dem Primeminister! Auch sonst ist Politik eine entspannte Angelegenheit. Zumindest was man den Debatten im Parlament aus dem Fernsehen entnehmen kann. Debatten werden in bester britischer Manier mit Streitgesprächen ausgefochten. Auch die Anordnung des Plenarsaales erinnert an das britische Vorbild. Die Regierungspartei sitzt der Opposition gegenüber und Redner treten nach vorne ans Rednerpult direkt der gegenüberliegenden Seite zugewandt. Nichtsdestotrotz wirken die Debatten eher wie Inszenierungen und Spielereien. Alle haben sich im Prinzip lieb und Themen kreisen häufig um Spritpreise oder Internetgeschwindigkeit. Was soll man auch behandeln, wenn es dem Land sonst so gut geht? Übrigens verdient jeder normale Parlamentarierüber 140.000 Dollar jährlich, Kevin Rudd 330.000 Dollar. So lässt es sich doch gut aushalten, oder?

 

 

Leben:

Wie ist das Leben so in Australien? Australien ist natürlich seit seiner Gründung als Kolonie 1788 tief durch den englischen und irisch/keltischen Einfluss geprägt worden, weil anders als in den USA ausschließlich Engländer und Iren in Australien gesiedelt haben. Erst später, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kamen vermehrt Deutsche (besonders um Adelaide – „Adelheid“) und Griechen bzw. Italiener (besonders Melbourne mit der weltweit größten Griechenkolonie außerhalb Griechenlands). Seit ca. 50 Jahren ist die Australische Kultur dominiert von der amerikanischen Kultur. Will so viel heißen wie Fast Food, schlechtes Bier, viele amerikanischen Fernsehshows usw. Quasi eine amerikanische Kolonie, auch wenn das Australier nur ungern hören. Dennoch hat sich in Australien auch einzigartiges entwickelt, wie den Australian Football. Entstanden aus dem irischen Gaelic Football wird der ovale Ball auf dem Kreisrunden Feld mit der Faust gepasst und mit dem Fuß versucht zwischen Pfosten geschossen zu werden. Wird zwischen die mittigen Stangen getroffen, gibt es 6 Punkte, zwischen den Außenstangen nur einen Punkt. Ein bisschen wird auch gekämpft, ähnlich wie beim Rugby. In Melbourne und Umland hat Australian Football (AFL) quasi religiösen Status. Nichtsdestotrotz ist auch Brisbane mit seinen Lions sehr erfolgreich und gewann zwischen 2001 und 2003 dreimal in Folge die Meisterschaft. Generell ist Australien sehr sportbegeistert, den Australien Grand Prix in der Formel 1 und die Australian Open im Tennis (beides in Melbourne) kennen sicher die meisen von uns. Zudem hat Australien zweimal die Olympischen Spiele ausgetragen (1956 in  Melbourne und 2000 in Sydney). Seit 2000 gehört Australien auch immer zu den Top-5 Medaillen Gewinnern bei Olympia. Dadurch dass Australien englischsprachig ist und sich immer an Amerika orientiert hat, gibt es auch einige prominente Schauspieler oder Musiker, die durch Hollywood und Co. berühmt geworden sind. Zu nennen wären da etwa Russel Crowe (Gladiator), Cate Blanchett (Herr der Ringe) oder Mel Gibson (Leathal Weapon). Auch einige Musiker sind bekannt wie die Rockbands AC/DC oder Mettalica, aber auch The Vines, Silverchair oder Jet. Nichtsdestotrotz ist dies nur eine Randerscheinung auf dem amerikanischen Kultur-Siegeszug weltweit. Die meisten würden diese Schauspieler oder Bands eh als Amerikaner identifizieren. Ginge mir wohl nicht anders….